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Zweiradfahren

Zweiradfahren

Noch nie waren die technischen Hilfsmittel für die individuelle Fortbewegung so vielfältig wie heute. Die Mobilität mit vierrädrigen Autos ist heute zur Selbstverständlichkeit geworden. Deshalb erwähne ich die heutzutage vorwiegend hobbymässige Bewegung auf zwei Rädern. Seien diese nun wie bei Motorrädern hintereinander oder wie bei den skurril anmutenden Stehrollern von Segway® nebeneinander angeordnet.

Tourenmotorrad

Triumph Bonneville T120 Black; 2016: Nach den rund 20 Jahren mit den gewichtsträchtigen Cruisern wie Harley-Davidson Electra Glide (1998 - 2015) und GoldWing GL 1800 (2009 - 2016) - wobei letztere eher als halbes Auto bezeichnet werden kann - wurde das Verlangen nach einem handlicheren Motorrad stets grösser. Als ehemaliger Fahrer klassicher Motorräder von Condor, Norton und Triumpf (1988 - 1998) blickte ich stets in Richtung moderner englischer Motorräder (Schweizerische gibt es leider nicht mehr) und wurde mit den Retro- Bikes aus der Bonneville- Modellreihe von Triumph fündig. Das Motorrad passt wie massgeschneidert und bietet ein optimales Verhältnis zwischen sportlichen und gemütlichen Fahreigenschaften. Hier passt die Aussage "Reduziert aufs Maximum". Ohne unnötigen Schnickschnack! Mit 80 PS eher bescheiden auftretend, mit 105Nm aber beträchtlich anschiebend, macht das niedertourige, besinnliche Hingleiten mindestens soviel Spass wie mit einem waschechten Cruiser. Das Überholen eines noch "besinnlicheren" Fahrers bietet sich deutlich einfacher an, als mit einem 150kg schwereren Töff. Im Vergleich zu den 40 Jahre älteren Ausführungen der "Bonni" bietet die aktuelle Ausführung (2016) über die heute üblichen Sicherheitsoptionen wie Traktionskontrolle und ABS. Die klassischen, eher bedächtig ansprechenden, Trommelbremsen sind bissigeren Scheibenbremsen gewichen. Rücksichtsvoll gegenüber Mitmenschen bietet die "Bonni" heute weiterhin einen angenehmen Bass- Sound aber mit mitmenschenverträglicheren, deutlich verminderten Spitzenwerten. Bezüglich Luftbelastung hilft ein Katalysator, die Abgase reiner zu halten (Euro 4). Erfreulich ist der - trotz des mit 1200 cm3 fast doppelten Hubraums gegenüber der Ur- Bonneville - deutlich verminderte Treibstoffverbrauch, der knapp über 4,5 l/100km liegt. Damit sind mit den 15 Litern im Tank gute 300 Kilometer Reichweite möglich.

 

Kurzstrecken- Roller

vR-Bikes; vRone-e; 2016:

Gemäss verschiedenen Testberichten (ADAC, New-Ride, Automobil-Revue) gilt dieser leistungsstarke Roller "Made in Switzerland" aus dem jurassischen Choindez als einer der momentan führensten bezüglich Fahreigenschaften und Ausführung. Der verbaute Bürstenmotor von Lynch mit einer Dauerleistung von 8.55kW und einer Spitzenleistung von bis zu 13,5kW kommt mit dem wohl selten ausgenutzten Gesamtgewicht von 420kg gut zurecht. Das Leergewicht beträgt lediglich 140kg und die Sattellast beträchtliche 280 kg. Der Roller beschleunigt zügig bis zur elektronisch abgeregelten Geschwindigkeit von ungefähr 100kmh. Es gibt vom vRone ("vR" steht für von Roll Infratec) in zwei Ausführungen. Als vRone-e mit 8,5kW Bürstenmotor und vRone-m mit 4 kW bürstenlosen Motor. Infolge meines ansehnlichen Körpergewichtes von 140kg (ist trotzdem nur die Hälfte der erlaubten Sattellast!!) zog der vRone-e bei der Probefahrt zügiger den Berg hinauf und war auch angriffiger beim Anfahren am Berg als der sanfter am "Gas" hängende vRone-m. Eine Schwachstelle beim vRone-e ist die etwas ruppige Gasannahme. Für ein konstantes Halten einer Innerortsgeschwindigkeit von 50 kmh benötigt es bei dieser Bürstenmotorausführung Fingerspitzengefühl im Handgelenk. Trotz diesem Mangel punktet der vRone-e gegenüber deutlich teureren Mitbewerber. Je nach Zuladung, Akkuzustand und Fahrweise liegen Reichweiten bis zu etwa 60km drin. Ich selber rechne mit meinem Sicherheitsdenken mit 50km. Laden kann man an jeder Haushaltssteckdose, da ein Ladegerät zusammen mit einem längeren Spiralkabel fest eingebaut ist. Mit einer Stunde Ladezeit sichert man sich wieder gute 10km Fahrt. Der verbaute Akku besteht aus 400 Li-ion Zellen (Panasonic 18650; dieselben wie bei den TESLA S/X, die über etwa 8000 dieser Zellen verfügen) und weist bei 74 Volt 3kWh auf. Die Schwachstelle "Abblendlicht" die bei den auschliesslich von 2012 stammenden Test- und Erfahrungsberichten erwähnt wurde ist spätestens mit dem Modell "2016" ausgemerzt worden. Auch die Gasannahme ist weniger ruppiger als bei der Erstserie von 2012, aber immer noch etwas gewöhnungsbedürftig. Zudem ist offenbar zu Gunsten einer grösseren Reichweite die Leistung beim Anfahren und zum Beschleunigen aus tieferen Geschwindigkeiten per BSM- Programmierung "gezähmt" worden.

Stehroller Segway® PT x2 SE

Segway PT x2 SE

Das Bild zeigt das Grundfahrzeug mit optionaler Beleuchtung vorne und (nicht sichtbar) rotem Rücklicht und Nummernhalter hinten für die schweizerische Strassenzulassung. Die Befestigung des Infokeys oben auf dem Lenker ist eine weitere Option.

Im Zuge der zwar eher langsam aber stetig zunehmenden Elektrifizierung im motorisierten Strassenverkehr wird die Auswahl der Transportmittel immer vielfältiger. So vielfältig, dass etliche skurrile Fahrzeuge nicht mehr eindeutig bestehender Fahrzeugkategorien zugeordnet werden können. Heute sind elektrisch betriebene querachsige Zweirad- Fahrzeuge anzutreffen, die dank ausgeklügelter Elektronik so einfach wie Fahrzeuge mit drei bzw. vier Rädern zu fahren sind. Fasziniert von diesen neuen Gefährten habe ich mir Ende August 2015 anstelle der verkauften Harley einen sogenannten “Stehroller” der Firma Segway® Inc. angeschafft. Von den beiden erhältlichen Ausführungen PT i2 SE und PT x2 SE entschloss ich mich aufgrund meiner ansehnlichen Körperdimensionen und dem Einsatz auf vorwiegend unbefestigten Waldwegen - wer fährt schon gerne mit einem über 80cm breiten Gefährt mit 20kmh auf der Strasse? - für den PT x2 SE. Dieser weist als auffälligstes Merkmal breite, stark profilierte Reifen auf Stahlfelgen (PT x2 SE schmale Reifen auf Kunststofffelgen) auf. “PT” steht übrigens für "Personal Transporter". Der PT x2 SE verfügt für das Befahren von unbefestigten Strassen oder leichtes Gelände neben den geeigneteren Reifen, stabileren Felgen und erhöhter Bodenfreiheit auch über optimierte Steuerungsalgorithmen. Leider benötigt der Einsatz im Gelände - auch infolge der mächtigen Reifen und den 10kg an Mehrgewicht (PT i2 SE 45kg; PT x2 SE 55kg) - mehr Energie und die Reichweite vermindert sich auf gut die Hälfte im Vergleich zu einem PT i2 SE. Mein hohes Gewicht mindert die Angaben seitens Segway® Inc. von 24km (PT i2 SE: 40km) sicher noch zusätzlich.

Segway® inc. empfiehlt ein Mindestgewicht von 45kg und ein Maximalgewicht von 118kg. Ich selber bringe mit 140kg gute 20kg Übergewicht auf die Trittfläche des Segway®. Bisher konnte ich deswegen aber keine sicherheitsrelevante oder technische Probleme erkennen. In den USA fahren offensichtlich Menschen mit über 200kg Körpergewicht problemlos mit einem Segway® herum.

Erstaunlich ist die Einfachheit des Fahrens. Hat man die anfänglichen Bedenken beim Aufsteigen (ähnlich wie bei einer Treppenstufe) auf das nur mit einer Querachse bestückte Fahrzeug überwunden, ist die Stabilität des Gefährts eindrücklich. Allein durch ein intuitives Verlagern des eigenen Gewichts fährt der Segway® vor- bzw. rückwärts. Gebremst wird durch Verlagern des Gewichts entgegengesetzt der Fahrtrichtung. Durch die nur seitlich neigbare Lenkstange (ab 2. Generation, die 1 Genaration verfügte anlag eines Veloguidos eine drehbare) erfolgt die Richtungsänderung. Da damit an Ort gedreht werden kann, ist ein Rückwärtsfahren eigentlich nie notwendig und sollte auch sicherheitshalber vermieden werden. Der Segway® weist zwei Elektromotoren zu je 1000 Watt Leistung auf. Die Geschwindigkeit wird auf maximal 20km/h beschränkt. Beim Abwärtsfahren und Bremsen wird die Energie rekuperiert, d.h. die Akkus werden geladen. Auch abwärts beschränkt sich die Geschwindigkeit auf 20km/h. Die Steigfähigkeit beträgt je nach Zuladung etwa 30%. Die Steuerungs- Algorithmen beim PT x2 SE bewirken ein starkes Abbremsen bei Steigungen und Gefälle. Deshalb ist für ausschliesslich befestigte Wege die Version PT x2 SE vorteilhafter. Viele Segway®- Besitzer verpasssen deshalb einem PT i2 die grossen Felgen und Reifen eines PT x2, um auch auf befestigten Strassen die imposantere Optik ohne dessen Nachteile auf eben diesen Strassen zu haben.

Anfänglich macht man oft den Fehler, dass die Lenkstange wie bei einem Fahrrad fest umklammert wird. Besser ist es, sich als frei stehend auf dem Segway® vorzustellen und die Lenkstange nur ganz locker anzufassen, so dass sich diese ohne Widerstand frei nach vorne und hinten bewegen kann. Für eine Kurve legt man sich wie bei einem Fahrrad locker in die Kurve und nimmt dabei die Lenkstange mit in die eigene Schräglage. Mir kommt es ähnlich vor wie beim Schifahren.

Selber hatte ich bereits nach wenigen Minuten die elementaren Bedienungsregeln - übermittelt unter sachkundiger Hilfestellung seitens des Verkäufers - begriffen. Vorsichtshalber empfiehlt es sich vor der ersten Fahrt die beiliegende Bedienungs- DVD anzusehen, die in diversen Sprachen die Bedienung und die Gefahren aufzeigt. Eigentlich gelten dieselben Gefahren wie bei einem Fahrrad: Das Hochfahren von Randsteinen, das Befahren rutschiger Fahrbahnen, tiefe Schlaglöcher und abruptes Manövrieren kann zur Überlastung des Balanciersystems und so zu Stürzen führen. Das Tragen eines Fahrrad- oder Sporthelmes ist nicht obligatorisch aber empfehlenswert. Beim bewussten Ausführen von waghalsigen Manöver (Treppen befahren, Hindernisse überspringen, schnelle Geländefahrten etc.) auch entsprechende Protektoren für Ellenbogen, Knie und Handgelenke, wie diese zum Beispiel von Inlineskatern verwendet werden.

Im Gegensatz zu vielen deutlich günstigeren Konkurrenz- Produkten aus Fernost weist ein Segway® alle sicherheitsrelevanten Komponenten wie zum Beispiel Prozessoren, Sensoren, Motorwicklungen, Akkus in doppelter Ausführung auf (Redundanz). So wird bei einem Ausfall das zweite Bauteil die Funktion voll übernehmen. Diverse Warnungen (Summen, Vibrieren, blinkende LEDs) seitens des Segway® weisen auf ein technisches Problem hin und man hat somit genügend Zeit anzuhalten und abzusteigen bevor sich die Balancier- Elektronik ausschaltet und mit einem Fehlercode auf dem Infokey auf das betroffene Bauteil hinweist. Meist ist in diesem Fall ein erneutes Starten nicht mehr möglich und der Segway® muss in die Werkstatt. Deshalb sind die beiden Varianten von Segway® Inc. zurzeit (2016) die einzigen im Schweizerischen Strassenverkehr zugelassenen Stehroller.

Bezüglich der eigenen und derer von Dritten Sicherheit ist ein Segway® mit einem Fahrrad zu vergleichen. Er weist zwar mit rund fünfzig Kilogramm die grössere Masse als ein Fahrrad auf, ist aber mit maximal zwanzig Stundenkilometer Geschwindigkeit meist langsamer und kann auch rascher zum Stillstand gebracht werden. Der Segway® befindet sich seit dem 1. Juli 2015 in der Schweiz in derselben Fahrzeugkategorie wie ein Fahrrad und darf die dafür vorgesehene Infrastruktur uneingeschränkt nutzen. Eingelöst werden muss er wie ein schnelles Elektrobike oder ein Mofa mit dem kleinen gelben Kontrollschild mit der jährlich zu erneuernden Versicherungsvignette. Ab 16 Jahren darf ein Segway® ohne Führerschein und ab 14 Jahren mit einem Mofa-Führerschein auf allenfür Fahrräder zugelassenen Verkehrsflächen (Verbot auf Fusswegen und Trottoirs!) bewegt werden. Eine Helmpflicht besteht aktuell (2015) nicht, ist aber empfohlen.
Info- Video von Die Segway Schrauber

 

Elektrotrottinett Trivanti®

Vorwiegend für unser Wohnmobil ist dieses Elektrotrottinett angeschafft worden. Oft kommt es vor, dass unser Wohnmobil nicht vor einer Bäckerei - oder anderweitiger Stätte für das Beschaffen lebensnotwendiger Materialien - sondern etliche Kilometer weiter geparkt werden kann. Nutzten wir anfänglich in diesen Situationen ein Faltfahrrad, erscheint uns dieses kompakte Fahrzeug schon infolge des elektrischen Antriebes bequemer. Natürlich sind sicher viele sportlichere Wohnmobilisten, als wir beide es sind, anderer Meinung.

Leider werden in diesem Segment viele Produkte in fragwürdiger Qualität angeboten, die nicht mal mit gutem Gewissen als Kinderspielzeuge bezeichnet werden dürfen. Dazu haben die allermeisten keine Strassenzulassung; dürfen also nur auf privaten und abgesperrten Grundstücken legal eingesetzt werden. Das Trivanti® wird in der Schweiz (Neuhausen am Rheinfall) hergestellt und verfügt über eine Strassenzulassung für CH und EU. Rechtlich steht es einem Fahrrad gleich und kann wie der Segway® auf allen, für Fahrräder erlaubten, Verkehrsflächen eingesetzt werden. Dies nutzen wir auch ausserhalb unserer Wohnmobilreisen, um gemeinsam mit dem Segway®, die Waldwege in unserer Wohngegend auszukundschaften.

Das Trivanti® verfügt über einen bürstenlosen Motor mit 310 Watt Leistung. Gespiesen wird es von einem 36-Volt-LiPo-Akku mit 325 Wh, der für etwa 18km Reichweite Energie liefert. Ein zweiter Akku - als Option angeboten und im Trivanti® mitführbar - verdoppelt diese Reichweite. Die maximal Geschwindigkeit mit Motorunterstützung beträgt 20kmh. Die Steigfähigkeit mit 120kg Zuladung beträgt 20%. Da das Trivanti® über einen Freilauf verfügt, sind bergabwärts höhere Geschwindigkeiten möglich. Zwei eher überdimensionierte Scheibenbremsen ermöglichen ein rasches Verzögern. Mit einem "Daumengashebel" wird die Motorleistung gesteuert. Das Trivanti® verfügt über ein Fahrlicht mit Rücklicht und Stoppleuchte. Ein spezieller Fahrmodus für die Fahrt mit höherem Schritttempo ist per Knopdruck wählbar. Der Ladestand des Akkus wird mit einer roten und vier grünen LEDs angezeigt. Fahrgeschwindigkeitsanzeige sowie diverse (Fehler-) Meldungen erfolgen mit einer zweistelligen LED- Anzeige. Das Gewicht des mit einem Handgriff (Ziehen eines Knopfes) zusammenklappbaren Trivanti® beträgt mit einem Akku bestückt 17kg und kann noch als tragbar bezeichnet werden. Als Zuladung werden 120kg ausgewiesen. Das Fahren ist dank der 12-Zoll-Räder auch auf unbefestigten Strassen problemlos möglich. Wir haben deshalb das Trivanti® - auch mit Sicht auf das Nutzen in Campingplätzen - mit grobstolligen Reifen (Schwalbe Avanti Black Jack 12 x 1,9") umgerüstet.

Weitere erhältliche Optionen für das Trivanti® sind eine Bremskraftverteilung, Gepäckträger, Gitterkorb sowie für behinderte Personen einen Fahrradsattel als Sitzgelegenheit. Unser Trivanti® ist neben dem Gepäckträger mit der sehr empfehlenswerten Bremskraftverteilung versehen. Diese Bremskraftverteilung bewirkt, dass auch bei einzelner Betätigung des linken oder rechten Bremshebels stets beide Bremsen ansprechen. Das verhindert zu starkes Bremsen vorne oder hinten und dadurch ein Ausrutschen.

 

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